Musik / CD

Simple Minds: Walk Between WorldsFröhliches Pathos

Wer hörte im Jahr 1985 und danach die Simple Minds? Womöglich waren es jene Menschen, denen der Pathos der zeitgleich aufsteigenden U2 etwas zu rau war. Die vielleicht ein wenig mehr auf synthetisch treibende Sounds und Beats standen? Oder es waren die, die Jim Kerrs dunkelblonden Bubenkopf irgendwie süßer fanden als die Stachelfrisur des ernsteren Predigers Bono. All das ist lange her. Was die irischen U2 jedoch mit der schottischen Großkapelle Simple Minds verbindet: Es gibt sie als Pop-Dinosaurier bis heute. Nach eher mauen 15 bis 20 Jahren in den späten 90er- und Nullerjahren erfreuen sich die Simple Minds seit zwei Alben eines erfreulichen Comebacks. "Walk Between Worlds", das neue Album von Jim Kerr und seinem alten Gitarrenkumpel Charlie Burchill, zeigt sogar retrospektiv, dass die Simple Minds in ihrer Blütezeit zwei Musikepochen miteinander verbanden.

Als Jim Kerrs empathischer Gesang in "Don't You (Forget About Me)" aus dem 80-er-Kultfilm "The Breakfast Club" herüberwehte, hatten die Glasgower Schulfreunde bereits eine zehnjährige Bandgeschichte hinter sich. Früher spielte man einen eher rauen Punk- und Wave-Sound. Erst mit dem Album "Sparkle In The Rain" (1984) stellte sich mit einem neuen, zugänglicheren Sound großer Erfolg ein. Aus heutiger Sicht möchte man gar sagen: Die Simple Minds spielten damals einen synthetisch treibenden Proto-Ravesound, der in seiner Melodiösität bereits das Britpop-Revival der 90-er mit Bands wie Oasis, Blur und Pulp vorwegnahm. Warum diese Geschichte niedergeschrieben werden muss? Weil das neue Simple-Minds-Album "Walk Between Worlds" eben diesen Sound ziemlich eins-zu-eins in die Gegenwart transportiert.

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Gitarrist Charlie Burchill, damals wie heute treuer Weggefährte Jim Kerrs, experimentierte bereits Mitte der 80-er so ausgiebig mit Effektgeräten herum, dass sein wie mehrere Synthesizerwände klingender Saiten-Sound dem seines U2-Pendants The Edge in Sachen Originalität nicht wirklich nachstand. Durch charmant-ravige Stücke wie die Opener "Magic" und "Summer" fühlt man sich zurückversetzt auf die Tanzböden der späten 80er- und 90er-Jahre. Auch "The Signal And The Noise" erinnert mit geschüttelten Wave-Melodien und dem hymnischen Refrain an gute Dinge aus der Vergangenheit.

Dieser Effekt tritt natürlich nur dann ein, wenn das Songwriting wie bei den genannten Titeln einigermaßen überzeugt. Bei einigen Stücken "im hinteren Bereich" des Albums ist das nicht der Fall. Früher nannte man solche Alibi-Titel mal "Filler", was bei deren Nichtbenötigung zum Slogan "No Fillers, just Killers" führte. Doch das sind Signale aus einer fernen Zeit, ebenso wie die ganze Platte des Retroprojekts Simple Minds, das sich hier an seine beste Zeit erinnert. Der Fan von damals kann zufrieden sein.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelWalk Between Worlds
Bandname/InterpretSimple Minds
GenreProto-Britpop
Erhältlich ab02.02.2018
LabelBMG
VertriebWarner Music / ADA
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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