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Hambacher Forst Polizei setzt Räumung fort

Die Polizei hat am Samstag den dritten Tag in Folge die Räumung von Baumhäusern der Braunkohlegegner im Hambacher Forst fortgesetzt.


Seit dem Morgen werde die Räumung einer weiteren "Siedlung" mit dem Namen "Gallien" vorbereitet, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes hätten die Aktivisten mit Lautsprechern aufgefordert, die Baumhäuser binnen 30 Minuten zu verlassen.

Unterdessen besetzten nach Angaben der Polizei Aachen neun Aktivisten drei Bagger im Braunkohlekraftwerk Niederaußem in der Nähe des Hambacher Forstes. Die Polizei zog dort Einsatzkräfte zusammen. Die Braunkohlegegner sprachen von 20 Aktivisten in Niederaußem.

Insgesamt nahm die Polizei am Freitag 17 Menschen in Gewahrsam.

Morgen sollen unter dem Motto AufBäumen gegen Kohle Jungbäume in dem bereits gerodeten Bereich des Hambacher Waldes gepflanzt werden. Damit wollen die Aktivisten ein Zeichen gegen die Abholzung und für den sofortigen Kohleausstieg setzen.

Die Umweltschützer wollen die Räumung des Hambacher Forstes nicht hinnehmen. Sie haben über die sozialen Medien nach eigenen Angaben mit einer Massenmobilisierung gestartet. Die Umweltschützer rechnen mit tausenden Unterstützern aus ganz Deutschland. Sie werden sich in den nächsten Tagen an Demonstrationen, Sitzblockaden und Spaziergängen für den Erhalt des Hambacher Forstes beteiligen, heißt es.

Umweltverbände finden die Räumung im Hambacher Forst nicht gut: Es sei eine überflüssige Provokation. Die NRW-Landesregierung mache sich zum Brandstifter, heißt es vom Deutschen Naturschutzring. Durch den Start der Aktion habe man Polizei und friedlich protestierende Bürger in einen Konflikt gezwungen, der nicht sein müsse. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisiert die Räumung. Greenpeace nennt das Vorgehen sogar brandgefährlich.

Für die Räumung im Hambacher Forst hat der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer kein Verständnis. Der Grünen-Politiker bemängelt, dass die Bundesregierung nichts für eine Befriedung der Lage getan habe. Und auch an das NRW-Heimatministerium wendet sich seine Kritik. Krischer nennt den fehlenden Brandschutz als Grund für die Räumung "beinahe albern". Er appelliert an alle Beteiligten, sich nicht provozieren zu lassen. Er ruft zum gewaltfreien Protest auf.

Auch in den sozialen Medien wird über die Räumung des Hambacher Forstes disktutiert. Zum Teil gibt es Verständnis für die Aktivisten. Ohne Not werde ein zweitausend Jahre alter Wald gefällt, so eine Meinung. Zum Teil wird auch zu unterstützenden Demonstrationen aufgerufen - zum Beispiel am Hauptbahnhof in Hamburg. Die Räumung findet aber auch viel Unterstützung: Nach den Übergriffen auf Polizisten sei die Aktion längst überfällig - wer die Polizei angreife habe jedes Recht auf Mitbestimmung und Demonstration verloren, heißt es auf der Radio-Rur-Facebook-Seite.

(15.09.2018)


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