Games / Spieletests

Nier: AutomataPhilosophie eingeprügelt

mehr Bilder

Wenn philosophische Fragen auf aberwitzige Prügel im Akkord treffen: "Nier: Automata" ist ein ungewöhnlicher Titel aus Fernost, dessen verschachtelt-vielschichtige Geschichte erst nach mehreren Durchgängen all ihre Geheimnisse preisgibt. Bis dahin müssen sich PlayStation4- und PC-Gamer mit allerlei Skurrilem anfreunden - etwa mit einer Roboter-Lolita im kurzen Röckchen.

Von Schlingpflanzen überwucherte Ruinen, aus Sanddünen ragende Hochhäuser, Verfall allerorts: In der postapokalyptischen Welt von "Nier: Automata" ist die Menschheit auf dem Rückzug. Oder genauer: Auf dem Mond. Hier kauern sich nach einem Angriff außerirdischer Maschinen-Wesen die letzten Überlebenden zusammen, während man die Rückeroberung von Mutter Erde einer Sondereinsatztruppe aus Androiden überlässt. An vorderster Frontkämpfen die beiden Cyborgs 2B und 9S - sie eine wehrhafte Roboter-Lolita mit kurzem Röckchen und durchblitzendem Höschen, die ihre Feinde mit wuchtigen Schwert-, Axt- oder Speer-Hieben zertrümmert. Er ein verschüchterter, aber dienstbeflissener Soldat, der die aufreizende Front-Frau als nicht spielbarer Sidekick begleitet.

Hersteller Square Enix und der japanische Action-Experte Platinum Games ("Bayonetta") nutzen das Szenario für eine mutige Mixtur aus Rollenspiel, Action-Adventure, Beat'em-Up und Shooter: In den zahllosen Kämpfen gegen eine Blecharmee und gewaltige Boss-Gegner werden die Gamepads aufs Übelste malträtiert. In dem Wirrwarr aus blitzartig abgerufenen Angriffs-Kombinationen und knalligem Effekt-Gewitter geht zwar gerne die Übersicht flöten, doch ausgesprochene Genre-Profis fühlen sich ganz in ihrem Element.

Prima: Platinum erspart dem Spieler das Auswendiglernen ellenlanger Manöver-Listen, die meisten Attacken gehen angenehm intuitiv von der Hand. Einfach sind die "Nier"-Keilereien deshalb aber lange nicht: Daumen und Reflexe werden derart beansprucht, das manch PlayStation4-Besitzer dankbar auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad umschalten dürfte. In diesem Fall greifen die schwebenden Roboter-Satelliten der beiden Helden automatisch und permanent ein, was sonst nur auf Kommando geschehen würde.

Wesentlich geradliniger, aber nicht weniger anspruchsvoll verläuft die Schlacht, sobald 2B in ihr wunderbar wandelbares Raumschiff-Roboter-Vehikel umsteigt. Dann erwartet Gamer plötzlich klassische Arcade-Action wie zu besten 16-Bit-Zeiten: Die Kamera fängt das Projektil-Inferno von oben oder der Seite ein, während sich 2B einen Weg durch Feind-Geschwader und schwebende Bomben-Teppiche bahnt.

Wer trotz geballter Nahkampf- und Baller-Offensive die Oberhand behält, darf seine Androiden-Braut tunen: Neue Erfahrungsstufen sind dabei ebenso nützlich wie von Feinden ergatterte Chips, die in 2Bs System installiert werden, um zum Beispiel das Head-Up-Dislay der Heldin zu verbessern.

Wer auf diese Weise geschickt genug hochrüstet, um neben der rund 25-stündigen Haupt-Story zahlreiche Neben-Missionen zu lösen, ist mit "Nier: Automata" eine ganze Weile beschäftigt - und danach ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende: Wie im Vorgänger fördern erste mehrere Durchgänge alle Feinheiten der verworrenen Geschichte um wiedergeborene Roboter und beseelte Maschinenwesen zutage.

Trotz seiner mitunter philosophischen Züge ist "Nier: Automata" vor allem eins: ein ambitionierter Mix aus vielen verschiedenen Action-Genres, der mit seinen steten Tempo- und Perspektivwechsel bei der Stange hält. Langweilig wird das Ganze zu keiner Sekunde - trotz der etwas blass-sterile Optik, mit der die offene, aber letztlich überschaubare Welt inszeniert wurde.

Robert Bannert

Game
SpielnameNier: Automata
HerstellerSquare Enix
VertriebSquare Enix
Erhältlich ab10.03.2017
Bewertung Gesamtbefriedigend

Erhältlich für:
PS4, PC

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


Marktplatz

Anzeigen-Suche

powered by Marktplatz

Kategorie:

Anzeigen-Aufgabe

Geben Sie in drei einfachen Schritten Ihre Online-Anzeige auf.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Rur Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Mitarbeiter

Wer steckt hinter
Radio Rur?

Anzeige
Zur Startseite