Musik / CD

The Milk Carton Kids: All The Things That I Did And All The Things That I Didn't DoGroße amerikanische Oper

Manchmal ist es besser, die Dinge gemeinsam anzugehen. Die versierten Gitarristen, Sänger und Songwriter Joey Ryan und Kenneth Pattengale würden diesen Satz wohl unterschreiben. 2011 veröffentlichten zwei immer noch junge Männer aus Eagle Rock, Kalifornien, ihr erstes gemeinsames Album. Es geschah nach einigen erfolglosen Jahren als Solokünstler. Seitdem gab es für The Milk Carton Kids mehrere Grammy-Nominierungen in Kategorien wie "Best Folk Album" oder "Best American Roots Performance". Das berückende Duo belässt es aber nicht bei "alter Musik" in neuen Schläuchen. Das vierte Album der Milk Carton Kids erweitert deren Instrumentarium und mischt zudem auch Stile wie Folk, Country, Psychedelic sowie exaltiertes Singer-Songwritertum zur großen amerikanischen Oper. "All The Things That I Did And All The Things That I Didn't Do" heißt das Ergebnis.

Wer das ambitioniert Großartige in der Musik sucht und nicht nur nette Feelgood-Klänge, die im Hintergrund den Tag verschönern, sollte sich zum Einstieg in dieses Album das Stück "Blindness" anhören. Nicht, weil dieser Track typisch für das Album wäre - dazu ist die Platte stilistisch zu vielfältig. Doch das vielstimmig flirrende Drama für Stimme, Gitarre und Hallräume taugt ganz gut dazu, die Tragweite dieser Musik zu erkennen. Das Stück klingt wie die besten Arbeiten des kanadischen Franz-Schubert-Fans Rufus Wainwright - vielleicht abzüglich des Divenhaften.

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Doch auch in den elf anderen Songs wird deutlich: Diese Männer singen sirenenhaften Satzgesang, sie lassen ihn abseits traditioneller Formen fließen, ebenso wie ihre betörenden Gitarren. Dass dabei ein Stück mal mehr nach Singer/Songwriter-Folk klingt ("Just Look At Us Now"), ein anderes mehr nach Heartfelt-Country ("Nothing Is Real"), oder dass ein Titel zum psychedelisch ausufernder Trip wird, wie der Zehnminüter "One More For The Road", ist dabei eigentlich völlig egal. Alles fügt sich zu einem ebenso angenehmen wie stimmungsvollen Gesamtwerk.

The Milk Carton Kids fühlen sich in ihrem künstlerischen Zusammensein mittlerweile so wohl, dass sie erstmals mit großer Band agieren. Einige Größen der Nashville-Szene, wo man mittlerweile regelmäßig arbeitet, fügen dem Sound der Milk Carton Kids - sehr passend - wunderbare Pedal Steel- und Slide Gitarren, sanfte Bässe, Schlagzeuge, Tasten-, Streich- und Blasinstrumente hinzu. Ohne dass das Ganze irgendwie überladen klingen würde. Stattdessen funkeln die Lieder von Joey Ryan und Kenneth Pattengale, die sich auf ihrem neuen Werk mit umwälzenden Lebenserfahrungen wie dem Vaterwerden und einer Krebserkrankung auseinandersetzen, fast noch ein bisschen mehr als früher. Ein Geheimtipp für Liebhaber alter amerikanischer Liedformen, die von dieser Musik mehr erwarten als deren ewige Reproduktion auf möglichst hohem Niveau.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelAll The Things That I Did And All The Things That I Didn't Do
Bandname/InterpretThe Milk Carton Kids
Erhältlich ab29.07.2018
LabelAnti/Epitaph
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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