Musik / CD

Superorganism: SuperorganismDie Demokratisierung der Anarchie

Hypes sind eine tückische Sache, insbesondere, wenn sie im Internet entstehen. Im Falle des in London wohnhaften Kollektivs Superorganism verdoppelt sich diese Problematik gleich, denn die acht Mitglieder aus England, Japan, Australien und Neuseeland haben sich ausgerechnet im digitalen Orbit gegründet. Dank der Platzierung ihres allersten Songs "Something For Your M.I.N.D." in der Radiosendung von Frank Ocean erreichte die Band binnen weniger Monate ein Aufmerksamkeitslevel, das sich nur von Superlativen zu ernähren scheint. Nun erscheint das mit großer Spannung erwartete selbstbetitelte Debütalbum, bei dem sich viele Experten schon im Vorfeld sicher waren: Das wird eine der großen Pop-Sensationen 2018.

Vielleicht ist es eine Konsequenz der andauernden Übersättigung der Millennial-Generation, nur noch Musik zu produzieren, die die Reizüberflutung als Modus Operandi versteht. Ähnlich wie die Gorillaz fusionieren Orono, Harry, Ruby, B, Robert, Tucan, Soul und Emily auf ihrer Debüt-LP Elemente aus Indierock, Spoken Word, HipHop und zahlreichen Elektro-Stilen zu einer Collage, die sich bestenfalls als DIY-Pop beschreiben lässt. Die verspielten Synthesizer, knarzigen Gitarrenriffs und bizarren Samples agieren auf den zehn Tracks trotzdem wie bei einer ganz normalen Band - mit der Besonderheit eben, dass man hier nicht im Proberaum, sondern auf dem Laptop zueinanderfindet. Es ist keine Summe der Einzelteile aus Keyboardern, Songwritern, Produzenten und Grafikern, sondern - ja, genau - ein achtköpfiger Superorganismus, der die Musikproduktion endgültig demokratisiert hat.

Gerade auch, weil Sängerin Orono mit ihrer stets verschlafenen Slacker-Performance eine Art 2018er-Update zur Becks "Odelay"-Phase gibt, kann "Superorganism" als Quasi-Hommage an die anarchistischen Anfangsjahren des Internets verstanden werden. In knallbunter Videospiel-Ästhetik und unberechenbarem Eklektizismus watscheln, wobbeln, ja wursten sich cartooneske Computer-Loops, organische Bassläufe und exzessive Stadion-Pop-Momente durch haufenweise 90er-Referenzen zwischen Moby, Cake und The Flaming Lips. Immerhin basierte schon die erste Single auf dem House-Klassiker "The Realm" von C'hantal.

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"Superorganism" ist keineswegs affektiert oder betont avantgardistisch. Die Lieder sind kindlich, aber nicht naiv. Als Digital Natives bewegen sich Superorganism stets nahbar in ihrem natürlichen Habitat, das aus Katzenvideos, Kunstblogs und Kommentarspalten besteht: "You people are all the same / Going blah blah blah, going bang bang bang", heißt es im Stück "The Prawn Song", das sich mit Realitätsverweigerung beschäftigt. "Reflections On The Screen" thematisiert wiederum die trügerische Realität des Digitalen, und "Everbody Wants To Be Famous" handelt vom eigenen, kometenhaften Aufstieg.

Losgelöst von klassischen Arbeitsstrukturen, Genre-Grenzen und einem herkömmlichen Band-Gefüge, versteht sich das Album "Superorganism" also als Ausdruck einer musikalischen Befreiungsbewegung. Fest steht zumindest, dass es der vermeintlichen Anarchie der digitalen Welt zumindest ein bisschen Demokratie gegenüberstellt.

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelSuperorganism
Bandname/InterpretSuperorganism
Erhältlich ab02.03.2018
LabelDomino
VertriebGoodtogo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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