Musik / CD

Curse: Die Farbe von WasserGechilltes Kopfnicken

Er ist der Mann, der sich selbst immer wieder durch den Fleischwolf dreht. Obwohl Curse, ein mittlerweile 39-jähriges Urgestein des deutschen Rap, das natürlich viel charmanter ausdrücken würde. Die Lebenskrisen, die ihn jäh ereilten, genauso wie solche, die er selbst mitverschuldet hat, sind der Stoff, aus dem der gebürtige Mindener seine Inspiration zieht. Mit dem Album "Uns" meldete sich Michael Kurth alias Curse 2014 nach einem zuvor verkündeten Ausstieg aus dem Bühnen-Reim-Geschäft zurück. Schon damals ließ er deutlich mehr Instrumente neben dem zuvor rohen Sprechgesang zur Geltung kommen. Seine lange Reise ins innere Ich setzt Curse, mittlerweile auch ausgebildeter Systemischer Coach und Yogalehrer, mit dem siebten Studioalbum "Die Farbe des Wassers" souverän fort.

Schon der erste von 14 neuen Tracks, das sehr sphärisch gehaltene Einstiegsstück "Wer weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt", gibt die Tonlage vor. Das Wasser, das Curse im Blick hat, ist alles andere als trübe oder tückisch seicht. Es ist tief - und klar. "Jede schwere Reise beginnt mit dem ersten Schritt", heißt es da. Und Curse kommt schnell in Tritt, reimt schwindelig schnell und berauscht mit seiner Sprachmagie. Allerdings klingelt kein alberner Reim: Er will, dass man ihm sehr aufmerksam zuhört und damit quasi am Lautsprecher klebt. Leichte Kost ist es nie, die Curse seinen Fans serviert. Leicht macht er es sich selbst auch nicht.

Von der "paradiesischen Lebenskrise" handelt der programmatische "Achterbahn - Riesenrad"-Song. Immer wieder kreist Curse um das Innehalten, das Aussteigen aus dem Hamsterrad, das Sich-Bewusstwerden über die Hektik des Lebens. Und doch kann er den Stress, an dem er zuvor schon mal fast zerbrach, mittlerweile besser zulassen. Von seinem "intensivsten Album", erzählt er in einem Gespräch zum neuen Tonträger, der nur wenige Wochen nach seinem Ratgeber-Sachbuch "Stell dir vor, du wachst auf" erscheint. Eine irre Doppelbelastung, aber offenbar eine Aufgabe, an der Curse noch einmal reifen konnte.

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Curse, der lange an seinen Versen feilt und nicht nur im Studioraum als Perfektionist gilt, hatte sein siebtes Album schon lange angekündigt - inklusive des Veröffentlichungstermins - und sich eigentlich damit selbst unter Druck gesetzt. "Ich wusste schon im August, dass das Album am 23. Februar erscheint. Dann kann man es auch verraten", erklärt er nonchalant im Rückblick. Beim Arbeiten an potenziellen Hits wie dem neuen Song "Was du bist", der vor Selbstbewusstsein strotzt und sich trotzdem gegen den Selbstoptimierungswahn sträubt, profitierte Curse diesmal von viel neuer Gelassenheit. "Ich drehe jetzt nicht mehr jedes Wort zehnmal um. Sondern nur noch 90 Prozent der Worte achtmal", beschreibt Curse seinen gegenwärtigen Arbeitsstil. Ja, auch Humor ist jetzt möglich.

Der Dreh- und Wendepunkt von "Die Farbe von Wasser" liegt mit dem achten Song "Manuskript" in der Mitte. Klassisches Kopfnick-Vergnügen, etwas ruppiger gehalten, bei dem die deutsche Sprache als "Laborratte" bezeichnet wird. Der Sprachbastler weiß, was er mit seinem Material anrichten kann. Curse ließ sich bei dem Song von Samy Deluxe und Cool Savas unterstützen. Später, im Schlussstück "Bis wir uns wiedersehen", ist dann unter anderem auch der multitalentierte Newcomer .fab mit von der Partie.

"Die erste Hälfte vom Album ist eher themenlastig. Die zweite Hälfte steht für Storytelling und das Erzählen von Geschichten", erklärt Curse sein sehr rundes, beachtliches Gesamtkunstwert, das mit Leichtigkeit, berührender Intensität und vielen Nabelbetrachtungen überzeugt, aber eben auch mit ungewohntem Augenzwinkern. Vor allem merkt man, dass Curse bei der Anordnung der Tracks viel Wert auf einen roten Faden legte. "Ich mache gerne Alben, die man auch in der heutigen Zeit als Album hören kann", sagt er. "Eine Playlist ist auch super. Aber mir gefällt es einfach, wenn ich eine Erzählstruktur im Ablauf bieten kann." Sein neues Album ist wie ein Erzählabend am Kaminfeuer. Und es kommt ohne Räucherkerzen aus.

Rupert Sommer

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelDie Farbe von Wasser
Bandname/InterpretCurse
Erhältlich ab23.02.2018
LabelIndie Neue Welt
VertriebGroove Attack
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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