Musik / CD

Brian Fallon: SleepwalkersAm Puls der guten alten Zeit

Bob Dylan, Elvis Costello, Tom Petty, The Animals - die Liste der Rock-Legenden, die Brian Fallon als Inspirationsquellen nennt, ist lang. Doch ein Name drängt sich mehr als alle anderen auf: Brian Fallon klingt oft wie ein Sohn von Bruce Springsteen. Das liegt teilweise an den Songstrukturen und Arrangements, vor allem aber auch an der kratzbürstigen, charismatischen Reibestimme, die fast immer auf Anschlag gedreht ist, egal ob Fallon gegen Unbill protestiert oder gutgelaunt zum Tanz bittet. Die Nähe zu Amerikas Rock-Darling Springsteen wird auf dem neuen Album "Sleepwalkers" besonders deutlich. Das Schöne daran: Brian Fallon klingt dabei nie wie eine Kopie, weder wie eine billige noch wie eine teure. Er bleibt ein eigenständiger Charakter, der die Tradition klassischer, handgemachter Rock-Musik weiterführt.

Die Musik von Fallon ist nicht altbacken oder nostalgisch, sie ist allenfalls zeitlos. Das Album "Sleepwalkers" enthält Reminiszenzen an den Classic Rock, mit dem der in New Jersey geborene Liedermacher aufwuchs, aber auch an den UK-Punk der 60-er und die amerikanische Soul- und Pop-Historie. Addiert man dazu Fallons eigene Signatur, hat man einen Stil, für den sich der Künstler einen eigenen Namen ausgedacht hat: "Heavy R&B". Stilistische Vielfalt sucht man auf "Sleepwalkers" vergeblich, doch das ist in diesem Fall nicht zwingend etwas Schlechtes: Wer den Sound von Brian Fallon schätzt, hat zwölf gute Gründe, sich zu freuen.

Produziert wurde das Album von einem treuen Weggefährten: Ted Hutt prägte bereits das Album "The '59 Sound", mit dem The Gaslight Anthem vor rund zehn Jahren mit großem Getöse den internationalen Durchbruch schafften. Fallon stellt jedoch klar: "Ich bin nicht mehr derselbe junge Typ wie der, der 'The '59 Sound' geschrieben hat." Und der 38-Jährige ergänzt: "Worüber soll ich jetzt schreiben? Ich will keine Songs machen, die von meiner Steuererklärung handeln. Man muss in sich gehen und dann einfach darüber schreiben, wo man gerade steht: Für mich hieß das also, über mich, meine Freunde, meine Familie zu schreiben."

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Wie schon beim Solo-Debüt "Painkillers" (2015) klingt "Sleepwalkers" bei aller Vollgas-Attitüde weniger lärmend als der Sound von The Gaslight Anthem. Krawall und Remmidemmi gehören immer noch zu Brian Fallon, aber hier und da entdeckt man inzwischen auch ein paar Girlanden und etwas Konfetti. Zu den Alleinstellungsmerkmalen des neuen Albums zählt insbesondere die eigenwillige Stimmung, die sich wie ein roter Faden durch alle Tracks von "Sleepwalkers" zieht: Das jugendliche Stinkefinger-Rebellentum wird stets kombiniert mit launigen Ohrwurm-Melodien, etwa im Opener "If Your Prayers Don't Get To Heaven" oder dem positiv gestimmten Stadion-Rock-Track "Forget Me Not". Viele der Songs, darunter auch "Come Wander With Me", wirken geradezu euphorisierend, und selbst in den melancholischsten Momenten ("Her Majesty's Service", "Proof Of Life") will man mindestens mit dem Fuß mitwippen.

In dem Zeitlupen-Stück "Watson", in dem Brian Fallon die Hilfe von Sherlock Holmes' Gehilfen braucht, um eine verschollene Geliebte zu finden, wird's dann sehr romantisch, und auch hier trifft der Sänger wieder mitten ins Herz. Eines der größten Highlight hebt sich Brian Fallon aber für den Schluss auf: "See You On The Other Side" steht völlig nackt vor dem Hörer - nur eine Akustikgitarre und Fallons plötzlich ganz sanftmütige Stimme. Egal also, ob er die lauten oder die leisen Töne anspielt: Auf diesem Album macht Fallon stets eine sehr gute Figur.

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSleepwalkers
Bandname/InterpretBrian Fallon
Erhältlich ab09.02.2018
LabelIsland
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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