Musik / CD

Lars Eidinger: I'll Break Ya LeggEin dunkler Film

Lars Eidinger zählt zu den besten Schauspielern, die man in Deutschland finden kann. Spätestens mit Maren Ades Beziehungsdrama "Alle anderen" (2009) lernte ihn ein großes Publikum kennen, nachdem er sich zuvor insbesondere an der Berliner Schaubühne einen Namen gemacht hatte. Seit der Jahrtausendwende wurde der mittlerweile 40-Jährige als Extremschauspieler gefeiert. Dass Eidinger während seiner Zeit an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch auch eine EP mit dunklem, instrumentalem HipHop veröffentlichte, dürfte den wenigsten bekannt sein. Das auf anspruchsvolle Dance- und Elektro-Musik spezialisierte Label !K7 veröffentlicht jenes "Studentenwerk" des Schauspielers von 1998 jetzt noch einmal auf Vinyl und digital und ergänzt es um weitere Tracks aus der damaligen Zeit.

Nein, Lars Eidinger ist nicht jene Art Filmstar, der sich ob seines Ruhmes daran erinnert, dass er ja schon immer mal Musik machen wollte. Der gebürtige Westberliner schraubte bereits als Jugendlicher an instrumentalen Tracks zwischen wortlosem HipHop und beatlastiger Ambient-Musik. Aufgenommen hat Eidinger die elf Titel des Albums "I'll Break Ya Legg" vor etwa 20 Jahren, als er noch bei den Eltern lebte. Damit reihte sich der spätere Starmime in die Riege der damals aufkommenden Kinderzimmer-Stars ein, die unter Kopfhörern am Soundtrack zum eigenen Lebensgefühl arbeiteten - auf Festplatten mit begrenztem Fassungsvermögen, weshalb viele der synthetischen Instrumente Eidingers in Mono gehalten sind.

Bei Eidinger muss es damals ein eher dunkler, gleichsam lustvoller "State of Mind" gewesen sein, der ihn Tracks wie "Empty Teardrop" oder "There Sense Thus Weak" erschaffen ließ. Die präzise geschnittenen Beats und damit verzahnten Geräusch- und Instrumentalflächen kriechen im Downbeat-Tempo dahin, sie verweigern bisweilen die Auflösung ihrer akkordisch oder melodisch angedachten Bewegung, und sie sind vorwiegend in Moll gehalten.

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Eidingers Art zu komponieren etabliert das Gefühl, in einer komplizierten Welt zu leben. Ein Ambiente, in dem Schmerz und sinistre Erkenntnisse an der nächsten Ecke lauern, in dem man aber auch Spannendes erleben kann. Tatsächlich kann sich der Hörer zu dieser Musik prima treiben lassen. Er kann sich drehen und wackeln zu den simpel klingenden, aber vertrackten Beats von "Laughing Potatoes In A Microwave" oder sich in den filmischen Track "Park Without A Fade Out" hineinfallen lassen, der wie der Soundtrack zu einer dunkel ausgeleuchteten Filmszene wirkt.

Momentan ist Lars Eidigner in Tom Tykwers Serie "Babylon Berlin" auf Sky zu sehen, wo er einen abgründigen Party-Mogul im Berlin der späten 20er-Jahre verkörpert. Die Gefahr der Nacht, ihre Lust, ebenso die Schmerzen jener dunklen Stunden vor dem Morgengrauen: Das spiegeln auch die 31 Minuten von "I'll Break Ya Legg" stimmungsvoll wider. Erstaunlich, dass diese Musik schon 20 Jahre alt ist. Natürlich klingt sie nicht ganz neu, doch hat sie sich in ihrem spröden Minimalismus erstaunlich gut gehalten.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelI'll Break Ya Legg
Bandname/InterpretLars Eidinger
Erhältlich ab10.11.2017
Label!K7
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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