Musik / CD

Prinz Pi: Nichts war umsonstDer Ex-Rebell

Prinz Porno, Illuminaten-Kenner, Neopunk, Rebell ohne Grund: Friedrich Kautz hat in seiner Karriere schon viele Rollen eingenommen und sie anschließend in Schubladen verstaut. Manchmal kramt er sie hervor, ist plötzlich wieder "der Alte", also eine Reinkarnation einer Jahre zurückliegenden Kautz-Version. Eigentlich bleiben aber nur Prinz Pi, sein jetziger Künstlername, und Rap als Artikulationsform die Konstanten seiner Musik. Diese Wandlungsfähigkeit bedeutet aber nicht, dass Kautz mit den einzelnen Etappen seines Schaffens unzufrieden gewesen wäre, denn: "Nichts war umsonst". So heißt immerhin sein neues Album. Welche Kautz-Version ist nun darauf zu hören?

"Oh, Oh, Oh", Hall-Effekt - der Sänger Mark Forster singt etwas vom Original (eine Angebetete) und erklärt zur Sicherheit auch noch mal, dass sie nun wirklich kein Fake ist. "Oh La La La", Hall-Effekt, Prinz Pi rappt Sachen, die original unter Selfies auf Instagram stehen könnten. Es ist nämlich so: In seiner neuen Rolle dünnt Kautz, der immer auch für seine Wortgewandtheit bekannt war, seine Texte aus. Die Sprache ist nicht mehr vertrackt, sondern zugänglich für die Altersgruppe "8 bis 65". Seine Songs sind für jeden verständliche Tagebucheinträge zur Lage der Nation und manchmal sogar zur Lage der ganzen Welt.

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Man lernt zum Beispiel, dass Trump blöd ist, Nächstenliebe dafür aber ziemlich gut. Außerdem hat Kautz mal Fehler begangen, wodurch schließlich eine Beziehung zerbrach, was scheinbar sehr tragisch war. Das lassen zumindest die Instrumentale vermuten, die sich schon mal pathetisch aufplustern, ohne dass viel mehr dahinter stecken würde als ein paar Akkorde. Songs wie "Das Original" oder "Trümmerfeld" klingen zu gleichen Teilen nach Seifenoper, Indie-Pop und Rap.

Prinz Pi, der früher gerne aneckte, schlüpft auf seinem neuen Album also in die Rolle des netten Onkels von nebenan. Das Problem bei solchen netten Onkels ist, dass ihre Harmlosigkeit irgendwann nervt. "Nichts war umsonst" wird eben das zum Verhängnis. Es ist ein Album voller hübscher Zitate für jede Lebenslage mit ästhetischen Produktionen ohne viel Gefrickel. Mehr aber auch nicht.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelNichts war umsonst
Bandname/InterpretPrinz Pi
GenreDeutsch-Rap
Erhältlich ab03.11.2017
LabelKeine Liebe Records
VertriebGroove Attack
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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