Musik / CD

Pink: Beautiful TraumaEine von uns

Lady Gaga, Katy Perry, Taylor Swift, Nicki Minaj, Beyoncé Knowles: In den vergangenen Jahren wurde die Popwelt zunehmend von einem neuen Typ Frau dominiert, wie er vor zehn oder 15 Jahren noch die Ausnahme war. Die neuen exzentrischen Chart-Königinnen sind feminin, spielen ganz bewusst mit ihren Reizen, gleichzeitig aber sind sie selbstbestimmt, stark und frei. Eine, die einer früheren Generation von Pop-Queens entstammt, die aber auch vor 15 Jahren schon als selbstbestimmte und starke Persönlichkeit auftrat, ist Pink. Wenn sie "Let's Get This Party Started" sang, dann war sie es, die festlegte, wann die Party beginnt und mit wem sie hingeht. Jetzt, fünf Jahre nach "The Truth About Love", veröffentlicht Pink ihr neues Album "Beautiful Trauma". Nachdem die Konkurrenz sich zuletzt deutlich vermehrte, ist diese Platte auch eine Antwort auf die Frage: Wo findet Pink noch ihren Platz in der dicht bevölkerten Pop-Welt?

Musikalisch bleibt die Grammy-Gewinnerin maximal flexibel. Tatsächlich ist "Beautful Trauma" sogar die bislang eindrucksvollste Demonstration der enormen stilistischen Wandelbarkeit, die Pink als Sängerin und Songschreiberin schon lange auszeichnet. Man hört mitreißenden Dancehall-Pop ("What About Us"), beschwingten Country-Folk ("Where We Go"), gefühlvolle Balladen ("But We Lost It"), und in "Wild Hearts" setzt Pink mit vollem Orchester-Pomp auch noch zum ganz großen, herzzerreißenden Pop-Drama an.

Ein HipHop-Stück hat sie auf diesem abwechslungsreichen Werk auch noch untergebracht - den eigenwilligen, aber doch irgendwie witzigen Gute-Laune-Rache-Song "Revenge", in dem Eminem mitrapt und -singt. All diese riesigen Sprünge zwischen den Genres meistert Pink, ohne zu straucheln. Aber: Das kann eine Lady Gaga auch, vielleicht sogar etwas besser. Diese Kollegin und andere, wie Katy Perry und Beyoncé, die sich zuletzt vermehrt als halbgöttliche Pop-Wesen inszenierten, scheinen jedoch ohnehin in einer ganz anderen Welt zu leben als Pink.

mehr Bilder

Pink ist jetzt 38 und hat zwei kleine Kinder. Das Image der frechen Göre funktioniert nicht mehr. Also feilt die Musikern weiter an einer anderen Version von Pink, die sie über Jahre behutsam aufbaute und der sie nun auf "Beautiful Trauma" den letzten Schliff verleiht. In "Barbie", einem großen Song mit kleinem inhaltlichen Rahmen, singt Pink von dem Wunsch, einfach nochmal Kind zu sein und unbeschwert mit kleinen Puppen zu spielen. An anderer Stelle geht's um jemanden, der etwas zu viel Whiskey trinkt. Hier und da lässt Pink in ihren neuen Songs kleine Kraftausdrücke fallen, wie man sie üblicherweise nicht in den Charts, sondern auf der Straße hört.

Besonders auffällig ist schließlich die Single "What About Us", die als Protestsong nicht an "Dear Mr. President" heranreicht, aber als künstlerisches Statement doch viel aussagt. Da gibt sich Pink als eine von vielen ("We are billions of beautful hearts"), als Sprachrohr der stillen Mehrheit: "Man, you fooled us, enough is enough". Die Message, auf die all das hinausläuft: Pink ist eine von uns, sie versteht unsere Probleme und spricht unsere Sprache. Sollen die Katy Perrys und Lady Gagas doch als überstilisierte Kunstfiguren irgendwo da oben im Pop-Kosmos herumschwirren. Pink bleibt hier unten - da ist die Luft auch nicht so dünn.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelBeautiful Trauma
Bandname/InterpretPink
GenrePop
Erhältlich ab13.10.2017
LabelRCA
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


CD-Archiv

CD-Archiv

Suchen Sie in der Radio Rur - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Rur Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!


JOHANNES OERDING - HUNDERT LEBEN
Anzeige
Zur Startseite