Musik / CD

Lotte: QuerfeldeinLachen und weinen in der Stadt der Türme

"Ich bin Lotte." Dann eine halbe Sekunde Pause. "Ich hoffe, das wisst ihr." Dass sie das Schäkern mit dem Publikum schon souverän beherrscht, zeigt Lotte von Anfang an. Die 22-Jährige aus Ravensburg, die eigentlich Charlotte Rezbach heißt, hat allein in diesem Jahr schon auf über 30 Festivals gespielt, zudem durfte sie Kollegen wie Max Giesinger live über die Schulter schauen. "Lotte", was für ein Name für eine Sängerin. Er klingt nicht nach It-Girl, eher nach Teenie-Star. Irgendwie kann man sich die Singer/Songwriterin aber auch nicht im "Bravo"-Starschnitt vorstellen. Bei der Präsentation ihres Debütalbums "Querfeldein" in München gibt sie sich in jeder Hinsicht als nettes Mädel von nebenan, das gefühlvolle Lieder singt, aber gerne auch mal einen draufmacht und "freidreht".

Da ist nichts Affektiertes, nichts Aufgesetztes. Lotte mit ihrem pragmatisch zusammengebundenen Haar ist glaubhaft natürlich, und ebenso glaubt man ihr, wie überwältigt sie von all dem ist, was zuletzt auf sie einprasselte. Nach ein paar YouTube-Videos vom großen Label Sony entdeckt, das erste eigene Album, bald die erste eigene Tour. Zu ihrem ruhigen Akustik-Set, das sie an einem windig-kühlen Abend auf einer Sonnenterrasse im angesagten Münchner Container Collective vorträgt, erklärt sie: "Wenn ich rausgehe, will ich am Ende gelacht und getanzt, aber auch geweint haben." So solle auch ihre Musik klingen.

Weinen muss man bei den Songs von "Querfeldein" nicht, auch wenn Lotte mit markanter, zart-kratziger Stimme oft melancholische Töne anschlägt. Auf der anderen Seite: Richtige Tanzmusik ist das auch nicht, was am Ende auf Lottes erstem Album landete. Wenn mal aufgedreht wird, so ist das eher solides Singer/Songwriter-Handwerk mit Pfiff. Was man in der Form allerdings auch viel zu selten hört.

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Und wie ist das mit dem Lachen? Nun, echten Witz gibt's in den Songs von Lotte nicht zu hören. Dazu fehlt dieser jungen Künstlerin vielleicht auch noch etwas Distanz zu sich selbst. Aber: Lotte schafft es doch, ihrer Musik etwas sehr Unbedarftes und Leichtes zu verleihen. Es geht ums Barfußlaufen, um Freude am Leben mit all seinen Facetten und um Aufbruch: "Ich schau nicht zurück, und wenn du nichts hörst geht's mir gut", heißt es etwa im Song "Auf beiden Beinen".

Auf diesen beiden Beinen (und in diversen Zügen) ist die Liedermacherin im letzten Jahr ganz schön herumgekommen. So hat Lotte, deren Texte eher kleine Kreise ziehen und meist zwischen ich und du oszillieren, auch eine gefühlvolle Nummer über ihr gelegentliches Heimweh geschrieben - "Stadt der Türme", die womöglich erste musikalische Liebeserklärung an Ravensburg. Das kann man süß finden, das hat aber wie vieles an Lotte und ihrer Musik auch etwas sehr Liebenswertes. Wer jenseits des Albums mehr über Lotte erfahren oder von ihr hören will: Ab sofort sind exklusiv über Apples Newcomer-Plattform "Up Next" eine Doku über die Sängerin sowie eine Live-EP erhältlich.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelQuerfeldein
Bandname/InterpretLotte
GenreSinger/Songwriter/Pop
Erhältlich ab15.09.2017
LabelColumbia
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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