Musik / CD

Fink: ResurgamYoga ändert nichts

Grenzgänger mit schönen Stimmen gibt es viele. Justin Vernon von Bon Iver ist so einer, Finian Greenall auch. Wenn er seine Gitarre hebt und beginnt, die Saiten erst zärtlich, dann rauer zu zupfen, nennt er sich Fink. Fink, das stand mal für TripHop und Dub. Für Musik, die vielleicht auch auf Tanzflächen funktionierte, doch 2006 kam der harte Bruch. Seitdem gibt nur noch die Gitarre den Ton an, nicht mehr der Synthesizer. Es hat sich einiges verändert. Er schreibt keine Songs mehr für Amy Winehouse, weil sie nun mal viel zu früh verstarb, zog von Großbritannien nach Berlin - und betrank sich ganz fürchterlich. Dann: die Erkenntnis, dass der Körper so was mit über 40 nicht mehr mitmacht. Jetzt gehören Meditation und Yoga zum Wochenprogramm. Ob sich die Musik Greenalls dadurch auf seinem neuen Album "Resurgam" verändert hat?

Immerhin heißt "Resurgam" übersetzt aus dem Lateinischen so viel wie Wiederauferstehung. Zu hören ist davon erst einmal nichts. Vieles bleibt beim Alten. Aber vielleicht gab es die Wiederauferstehung ja im Inneren Greenalls nach einer schweren Zeit, in der die ekligen Bierausdunstungen am Morgen danach nicht mehr zu ertragen waren. Symptome jedenfalls sind in den Texten zu erahnen, denn die lassen immer eine diffuse Sehnsucht mitklingen. Sie beschäftigen sich mit Druck, mit Verlangen. Greenalls Stimme bebt dabei, er klingt verzweifelt, dann wird er entspannter und kommt irgendwann zur Ruhe.

Das Spiel mit der Stimme und die variierende Rhythmik sind die stimulierenden Elemente auf "Resurgam", die Texte dagegen oft nur Beiwerk. Die Rhythmik wird aufgebrochen, mal sind die Grooves linear, oft bilden Drumloops aber nur ein Grundrauschen. Man hört den Songs an, dass Greenall sich in seinem Leben mehr mit elektronischer Musik beschäftigt hat als mit klassischem Pop. Denn auch die Melodien verändern sich ständig, manchmal werden nur einzelne Töne angespielt, bis Gitarrenakkorde, die nach vorne hechten, sie verschlucken.

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"Resurgam" ist ein Gegeneinander von Klängen, die sich am Ende eines Songs durch ihre Wiederauferstehung in ein Füreinander verwandeln. Jeder Ton schmeichelt dem anderen, auch wenn es zuerst nicht so klingen mag. Über alledem wacht Greenalls Stimme.

"Not Everything Was Better In The Past", heißt ein Song des Albums, das letztlich doch so klingt wie vieles, was Greenall in der Vergangenheit veröffentlichte. "Nicht alles, aber vieles schon", will man bezogen auf sein neues Werk antworten. Doch wenngleich sich nur wenig verändert hat, sorgt Fink für spannende Singer-Songwriter-Musik. Als Begleitung für die nächste Yogastunde ist sie aber zu sperrig.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelResurgam
Bandname/InterpretFink
GenreSinger/Songwriter
Erhältlich ab15.09.2017
LabelR'Coup'd
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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