Musik / CD

Michael Wendler: Flucht nach vornMit Anlauf ins Nichts

Der Schlager ist ein ernstzunehmendes Musikgenre und erfreut sich auch unter jungen Menschen großer Beliebtheit. Das mag manchem selbsterklärten Musikkenner zwar nicht passen, doch die tanz-, stampf- oder schunkelbare Musik läuft nicht nur im "ZDF-Fernsehgarten", sondern dröhnt auch aus den Zimmern vieler Heranwachsender, und nicht selten hängt neben dem Poster von Katy Perry eben auch eines von Helene Fischer. Daran, warum der Schlager dennoch von vielen belächelt wird, erinnert uns einmal mehr Michael Wendler. Seine neue Platte "Flucht nach vorn" zeichnet ein konservatives, heteronormatives Bild für Kellerpartys.

Seit dem Jahr 2000 gibt es fast jährlich neue Alben von Michael Wendler, dem 45-jährigen Dinslakener, der zuletzt nach Florida zog und mit bürgerlichen Namen eigentlich Michael Norberg heißt. Seine Platten tragen Titel wie "Unbesiegt", "Spektakulär" oder "Die Maske fällt" und sind seit jeher eine fade Suppe aus einfallslosen Schlager-Konserven.

"Flucht nach vorn" bildet da keine Ausnahme. Überromantisierung und Kitsch sind essentiell für eingängige Popmusik, die so viele begeistert und im Herzen trifft. Doch der Wendler drischt die Phrasen nicht, er verprügelt sie und hängt sie zum Ausbluten auf, bis auch der letzte Tropfen tausendmal gehörter Weisheiten aus ihnen herausgelaufen ist. "So sehr es auch wehtut, ich sterbe für dich": Das verzeiht man nicht mal einem Pubertierenden, der einen Song für die vermeintlich einzige große Liebe seines Lebens schreibt.

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Dazu gesellen sich, was das Ganze erst richtig schlimm macht, unangenehme Stereotypen, die vermutlich irgendwann schon irgendwo auf einer Steintafel standen. "Gut, dass Männer nie weinen, so was wirst du nie sehen / Wir sind so hart wie Stein, uns fehlt einfach das Gen." Genau, und Frauen können nicht einparken.

Doppelte Herzschlagrhythmik, flächige Synthesizer und Drums, die niemandem wehtun: Wer meint, genau zu wissen, was Schlager ist, wird auch hier vom Wendler bestätigt. Sein musikalischer Baukasten hat schon lange nichts Neues mehr gesehen, und mit den alten Teilen wird nichts Neues gebaut. Die Stimme des Barden, der zuletzt auch als TV-Auswanderer auftrat, klingt genauso austauschbar und glattgebügelt wie immer. Immerhin: Man darf sich bei diesem Album darauf verlassen, dass niemand überfordert wird.

Zum Abschluss spendiert der Wendler dann noch einen Fox-Mix vom großen Hit "Gut, dass Männer nie weinen" und unterstreicht damit ein weiteres Mal sein Weltbild. Mit seinem sechszehnten Album in siebzehn Jahren erweist Michael Wendler dem Genre einen weiteren Bärendienst.

Arne Lehrke

Audio CD
BewertungZeitverschwendung
CD-TitelFlucht nach vorn
Bandname/InterpretMichael Wendler
GenreSchlager
Erhältlich ab28.07.2017
LabelTelamo
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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