Musik / CD

Girl Ray: Earl GreyAußenseiterinnen sind die besseren Menschen

Einmal, da saßen zwei Mädchen aus London zusammen in der Schule und fanden die anderen Menschen um sich herum, gelinde ausgedrückt: beschissen. Langweilig waren die, redeten über irgendwelche Markenlogos auf ihren Poloshirts. Dann wurden die beiden Freunde, gründeten eine Band. Seitdem gibt's Girl Ray. Klingt komisch, klingt pubertär, ist aber so passiert. "Earl Grey" heißt das Debüt von Poppy Hankin, Iris McConnel und der dazugestoßenen Bassistin Sophie Moss. Nicht, weil die beliebte Teemischung für sie eine große Rolle spielen würde, sondern schlicht, weil es sich auf den Bandnamen reimt. Ist doch super.

Nicht so super ist Liebeskummer. Darum geht's vor allem. Aber gejammert wird nicht. Jammern, das würde Girl Ray auch gar nicht stehen. Dafür sind sie einerseits zu cool, andererseits zu gewitzt. Wenn sie über "Stupid Things" singen, stellt man sie sich laut gackernd im trashigen Second-Hand-Gewand irgendwo in London vor, selbstgedrehte Zigaretten rauchend. Nur: Irgendwann verabschieden sie sich voneinander, jeder ist plötzlich allein, und vielleicht entstehen genau in diesen Momenten die meisten ihrer Songs. Die sind zwar von einer juvenilen Freude durchzogen, aber manchmal sind Poppy, Iris und Sophie schon auch deprimiert. Nämlich dann, wenn keiner da ist, weil der Partner nicht mehr der Partner ist, weil die Liebe plötzlich weg war.

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Also spielen Girl Ray mit wunderbar schrummeligen LoFi-Rock gegen das Gefühl des Verlorenseins an. Tamburine klöppeln mal etwas betreten dazwischen, repetitive Stimmen überlappen sich gegenseitig. Manchmal klingt das wie Garagen-Rock aus der Mitte der USA, mal, als wären wieder die 60-er und London gleich neben San Francisco. Die Konstrukte, meist bestehend aus Bass, Drums, Gitarre und einer raumfüllenden Stimme, sind klassisch produziert: ohne Synthesizer Plug-ins, Auto-Tune und anderem Spaß, der spätestens seit Bon Iver auch den Indie Rock durchzieht. Unmodern klingen Girl Ray deswegen aber nicht.

Denn "Earl Grey" ist eine Platte von ausgeglichenen, doch kreativen Wirrköpfen, deren Gedankenstränge in Kombination süßlichen, schunkelnden und vor allem einnehmenden Rock provozieren. Earl Grey trinken und sich im eigenen Liebeskummer suhlen wird zur schönsten Zeitverschwendung der Welt, wenn Girl Ray einem dazu ins Ohr singen. Denn das beruhigt, und cool fühlt man sich danach auch noch. Auch ohne Markenlogos auf Poloshirts.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelEarl Grey
Bandname/InterpretGirl Ray
GenreIndie-Rock
Erhältlich ab04.08.2017
LabelMoshi Moshi
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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