Musik / CD

Dead Cross: Dead CrossVon null auf hundert in 15 Sekunden

Die Musik im Kasten, aber ohne Sänger und ohne Label. "Frag doch mal deinen Freund", riet jemand Dave Lombardo, nachdem Gabe Serbian die Band während der Produktion verlassen hatte und plötzlich völlig unklar war, ob und wie es mit Dead Cross weitergehen würde. Patton? Der würde sicher keine Zeit haben, weil er gerade mit dem Comeback von Faith No More beschäftigt ist und den Soundtrack für eine TV-Show schreibt. Aber wenn es irgendjemanden in der Musikwelt gibt, der scheinbar immer Zeit für noch ein weiteres Projekt hat, dann ist das Mike Patton. Nach einigem Zögern fragte Lombardo. Nur 15 Sekunden sollen vergangen sein, bis der Workaholic Patton auf die Mailanfrage seines Kumpels antwortete. Jetzt erscheint das selbstbetitelte Debüt von Dead Cross mit Patton am Mikrofon bei dessen Label Ipecac.

Patton und Lombardo also, die gemeinsam bereits einige Fantômas-Alben aufnahmen, dazu Gitarrist Mike Crain (Retox) und Bassist Justin Pearson (The Locust). Wenn sich so eine Supergroup zusammentut, kommt nur selten etwas wirklich Gutes dabei heraus. Hier schon. Nicht ein Ton, nicht ein Song auf diesem Debüt erscheint irgendwie überflüssig. Dafür bleibt auch gar keine Zeit: Die Spieldauer des ersten Dead-Cross-Albums beträgt nur knapp 28 Minuten, und auf den letztlich zehn Titeln bringen Dead Cross so viele Ideen unter, dass sie auch für 28 Songs gereicht hätten.

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Dead Cross: Das ist giftiger, urgewaltiger, purer Hardcore-Furor. Oder ist das doch eher Trash Metal? Egal, wichtig ist hier nur eins: Es kracht. Ohne Schnörkel, direkt in die Fresse. Selbst das gelungene Cover des Bauhaus-Klassikers "Bela Lugosi's Dead" wird hier zum unablässig pumpenden Brecher. Erwähnenswert an der Stelle: Ross Robinson hat "Dead Cross" produziert. Er zeigte schon bei At The Drive-In, den Blood Brothers, Machine Head, Korn und Slipknot, dass er es versteht, die Essenz einer Band im Studio einzufangen. Er hat sicher großen Anteil daran, dass Dead Cross auf ihrem kompakten Debüt so wuchtig, unmittelbar und knochig daherkommen. Er weiß auch, wie er seine Stars strahlen lässt.

Bei Lombardo, auch mit 52 Jahren noch ein echtes Tier, hört man den Slayer-Drummer raus wie lange nicht mehr. Das gewisse Etwas kommt dann aber vor allem von Pattons Seite, der einmal mehr mit großer Ausdrucksstärke und vor allem seiner Fähigkeit glänzt, die verschiedensten musikalischen Stile perfekt zu adaptieren. Seine Stimme umfasst sechs Oktaven, nur ganz wenige Sänger aus der Rock- und Popwelt sind so vielseitig wie er. Das hier ist aber kein Italo-Pop wie bei Mondo Cane und auch nicht Faith No More, und deshalb holt Patton aus seinem riesigen Repertoire für Dead Cross meist nur die Kettensäge heraus. Anders als bei Fantômas oder Mr. Bungle verzichtet der Tausendsassa, der im Januar 50 Jahre alt wird, auf jede Extravaganz - was ja auch mal ganz schön ist. Bleibt festzuhalten: Gut, dass Lombardo seinen Kumpel dann doch gefragt hat. Dieser erste und hoffentlich nicht letzte Knall von Dead Cross dürfte locker bis Jahresende und vielleicht auch darüber hinaus nachhallen.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelDead Cross
Bandname/InterpretDead Cross
GenreHardcore
Erhältlich ab04.08.2017
LabelPIAS UK
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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